Rainer Holzschuh ist auch mit 75 ein gefragter Mann

Nach wie vor ein gefragter Mann: kicker-Herausgeber Rainer Holzschuh. Foto: kicker

Nach wie vor ein gefragter Mann: kicker-Herausgeber Rainer Holzschuh. Nach wie vor ein gefragter Mann: kicker-Herausgeber Rainer Holzschuh. Foto: kicker

Er ist das Gesicht des kicker – und das schon seit vielen Jahren. Am 17. Juni feierte der langjährige Chefredakteur des im Nürnberger Olympia-Verlag erscheinenden Sportmagazins seinen 75. Geburtstag. Der Jubilar fungiert seit geraumer Zeit als Herausgeber. Rainer Franzke aus der kicker-Chefredaktion porträtiert seinen langjährigen Weggefährten.

Die beiden Fans setzten sich umgehend in Bewegung, als sie ihn erkannt hatten: „Das ist doch der Holzschuh vom Doppelpass.“  Vor dem Hotelaufzug fragten sie freundlich: „Herr Holzschuh, würden Sie uns ein Autogramm geben?“ Rainer Holzschuh unterschrieb. Selbstverständlich.

Das war Anfang der 1990er Jahre vor einem Länderspiel in Gelsenkirchen. Zu einer Zeit, als der Sender Sport 1 noch DSF hieß, Printmedien noch in der Blütezeit standen, ein Handy ein Luxusartikel war und Internet für die meisten Menschen ein böhmisches Dorf. Bezeichnend: Die beiden Fans erkannten Rainer Holzschuh nicht als Chefredakteur des kicker, sondern als Stammgast beim Fußball-Talk des Münchner TV-Senders. Wer kein kicker-Leser war, kannte den „Langen“ eben nur aus dem Fernsehen, wo er meinungsstark Stellung bezog zum Fußballgeschehen. Ein gefragter Mann ist er nach wie vor. Am 17. Juni wurde er 75 Jahre alt.

Im Fernsehen hatte man den in Bad Kissingen geborenen Sohn eines Bankbeamten schon Jahre zuvor wahrgenommen. Oft an der Seite von DFB-Teamchef  Franz Beckenbauer. Holzschuh war zwischen 1983 und 1988 Pressesprecher des DFB.

Nach zwei Jahren Bundeswehr und fünf Semestern Jura hatte der leidliche Kicker und große Fußballanhänger erkannt, dass seine berufliche Zukunft im Sportjournalismus liegt. Ab 1970 arbeitete er bei der Augsburger Allgemeinen, ein Jahr später kam er erstmals zum kicker. Als Leiter der West-Redaktion in Essen (bis 1978) und der Nord-Redaktion in Peine (bis 1983).

Der DFB war nur eine Zwischenstation. Als 1988 Karl-Heinz Heimann kicker-Herausgeber wurde, suchte er sich seinen Nachfolger als Chefredakteur selbst aus: Rainer Holzschuh. Der brachte nicht nur sein „Telefonbuch“ aus der DFB-Zentrale mit in die Zentralredaktion nach Nürnberg,  er hatte längst ein beneidenswertes Netzwerk zu Spielern, Trainern, Funktionären, Entscheidern in Politik, Wirtschaft und Kultur. Ein großer Strippenzieher eben.

Holzschuh beschleunigte im Olympia-Verlag viele Prozesse. Von einer Idee überzeugt, setzte er diese erfolgreich auch gegen Widerstände durch. Etwa die  Erweiterung der Palette von Sonderprodukten weit über das legendäre „Bundesliga-Sonderheft“  hinaus. Als Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Deutschen Akademie für Fußballkultur in Nürnberg, als Mitbegründer der jährlich verliehenen Awards „Deutscher Fußball Botschafter“ und als Kuratoriumsmitglied des DFB-Kulturstiftung engagiert er sich unverändert in vielen gesellschaftlichen und sportpolitischen Belangen.

2010 trat Holzschuh als Herausgeber in die großen Fußstapfen, die sein verstorbener Freund und Förderer Karl-Heinz Heimann hinterlassen hatte. Weiterhin omnipräsent in der Funk-, Fernseh- und kicker-Welt, bringt er sein Netzwerk und sich als Ideengeber für das große kicker-Jubiläum zum 100. Geburtstag im Juli 2020 ein.

Sein 75. Wiegenfest feiert Holzschuh im Kreis der Familie und enger Freunde. Mit Ehefrau Annette und den Töchter Franziska, die als Journalistin in Vaters Spuren wandelt, und Barbara, die als Zahnärztin auch die (seltenen) Behandlungen ihres Vaters durchführt. Geburtstagsfeiern zu Hause waren über fast 40 Jahre immer nur alle zwei Jahre möglich, ansonsten fanden sie im Kreis von Kollegen statt – während Welt- und Europameisterschaften.                  Rainer Franzke

 

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